Wissen · Praxisausstattung

Notfallausstattung in der Arztpraxis

Ein voller Koffer ist noch keine Notfallausstattung. Entscheidend ist, dass der Inhalt zu Ihrer Praxis passt, funktioniert – und dass Ihr Team damit umgehen kann.

Fachinformation für Ärztinnen, Ärzte und Praxisteams · Stand: 1. Oktober 2026

Schematische Darstellung. Funktionsgruppen einer Notfallausstattung als Explosionsansicht. Die Szene zeigt Kategorien, keine Pflichtliste und keine konkrete Bestückung.
  1. 1 Atemweg
  2. 2 Beatmung
  3. 3 Kreislauf
  4. 4 Diagnostik
  5. 5 AED
  6. 6 Schutz

Das musst du wissen

  • Ein Verbandkasten nach DIN 13157 oder DIN 13169 ist Erste-Hilfe-Material – keine vollständige medizinische Notfallausstattung.
  • Es gibt keine bundesweit einheitliche Kofferliste. Die Ausstattung wird risikobasiert für die eigene Praxis festgelegt.
  • Die Medikamentenauswahl ist eine ärztliche Festlegung für diese Praxis.
  • Vollständig heißt nicht einsatzbereit: Das Team muss wissen, wo alles liegt und wie es angewendet wird.
  • Prüfen in festen Abständen und nach jeder Nutzung – und dokumentieren.

Norm ≠ Notfallmedizin

Verbandkasten und Notfallausstattung sind zwei verschiedene Dinge

Verbandkasten nach DIN

Erste Hilfe im Betrieb

  • DIN 13157 – kleiner betrieblicher Verbandkasten (Typ C).
  • DIN 13169 – großer betrieblicher Verbandkasten (Typ E), doppelter Umfang von DIN 13157.
  • Welche Norm und Anzahl gilt, richtet sich nach den Arbeitsschutzvorgaben.

Medizinische Notfallausstattung

Ärztliche Erstversorgung bis zum Rettungsdienst

Braucht zusätzlich Material für Atemweg, Beatmung und Kreislauf, Diagnostik, einen AED und – ärztlich festgelegt – Notfallmedikamente. Umfang und Inhalt ergeben sich aus einer Man fragt: Welche Notfälle sind bei unseren Patienten und Eingriffen wahrscheinlich? Und was können wir im Team sicher anwenden? Daraus leitet sich die Ausstattung ab..

Risikobasiert – so geht man vor

  1. Leistungen

    Welche Eingriffe und Behandlungen bieten wir an?

  2. Patienten

    Wer kommt zu uns – Alter, Vorerkrankungen, Risiken?

  3. Räume

    Wie weit ist es vom Behandlungszimmer zum Koffer und zum AED?

  4. Team

    Was können wir sicher anwenden – und was nicht?

Funktionsgruppen

Sechs Bereiche, die eine Notfallausstattung abdecken sollte

Das sind Prüffelder, keine Pflichtliste. Was konkret hineingehört, legt die Praxis für sich fest.

01

Atemweg und Beatmung

Der Patient muss Luft bekommen – notfalls mit Hilfe.

Warum?
Beatmungsbeutel mit passenden Masken, Atemwegshilfen, eine Absaugung und Sauerstoff bilden die Grundlage. Welche Teile genau, hängt vom Risikoprofil der Praxis ab.
Was heißt das für die Praxis?
Nur vorhalten, was das Team auch anwenden kann – und für jedes Teil klären, wer es kontrolliert.
02

Kreislauf und Zugang

Material für einen venösen Zugang nur, wenn es zum Leistungsspektrum passt.

Warum?
Venenverweilkanülen, Infusionszubehör und Lösungen helfen nur, wenn Indikation und Anwendung im Team sitzen.
Was heißt das für die Praxis?
Ausstattung und Können müssen zusammenpassen. Wer den Zugang legt, wird vorher festgelegt und geübt.
03

Notfallmedikamente

Die Medikamentenliste ist eine ärztliche Entscheidung für diese Praxis – keine Einkaufsliste aus dem Internet.

Warum?
Die zuständige Ärztin oder der zuständige Arzt richtet die Auswahl an den wahrscheinlichen Notfällen, dem Fachgebiet und den Patienten aus.
Was heißt das für die Praxis?
Indikation, Dosierung, Gegenanzeigen, Lagerung und Verfallsdaten stehen in einer schriftlichen, gepflegten Notfallregelung.
04

Diagnostik und Überwachung

Ohne Messwerte bleibt die Einschätzung eine Vermutung.

Warum?
Blutdruckmessgerät, Stethoskop, Pulsoxymeter, Blutzuckermessgerät und je nach Fachgebiet ein EKG zeigen, wie es dem Patienten geht und wie sich der Zustand bis zum Rettungsdienst verändert.
Was heißt das für die Praxis?
Geräte griffbereit lagern und Funktion (Batterien, Teststreifen) in die Prüfliste aufnehmen.
05

AED

Ein AED hilft nur, wenn das Team ihn schnell findet und sicher bedient.

Warum?
Der automatisierte externe Defibrillator erkennt schockbare Herzrhythmen und ermöglicht eine frühe Defibrillation.
Was heißt das für die Praxis?
Standort, Einsatzbereitschaft (Akku, Elektroden) und die Einbindung in den Teamablauf sind geregelt.
06

Schutz und Verbrauchsmaterial

Die Kleinteile fehlen im Stress am häufigsten.

Warum?
Handschuhe, Beatmungsfolie oder Taschenmaske, Verbandmaterial, Schere, Dokumentationsmaterial und Desinfektionsmittel machen die Ausstattung erst vollständig.
Was heißt das für die Praxis?
Nach jeder Nutzung sofort nachfüllen – nicht erst bei der nächsten Routineprüfung.

Interne Kontrolle

Prüffelder für Ihr Qualitätsmanagement

  • Alarmierungsweg, Notrufinformationen und Zuständigkeiten
  • Atemweg und Beatmung – risikobasiert festgelegt
  • Kreislauf und Zugang – risikobasiert festgelegt
  • Ärztlich festgelegte Notfallmedikation mit Anwendungsregelung
  • Geeignete Diagnostik und Überwachung
  • AED: Standort, Einsatzbereitschaft, Akku, Elektroden
  • Schutz-, Verband- und Verbrauchsmaterial
  • Prüfliste für Vollständigkeit, Verfall und Funktion
  • Dokumentation, Nachbestückung und verantwortliche Person

Einsatzbereit halten

Verfallsdaten

Medikamente und Infusionslösungen regelmäßig kontrollieren und rechtzeitig austauschen – mit fester Routine.

Einsatzbereit halten

AED-Status

Akkulaufzeit und Haltbarkeit der Elektroden dokumentieren; die Selbsttest-Anzeige in den Alltag einbauen.

Einsatzbereit halten

Vollständigkeit

Nach jeder Nutzung und in festen Abständen prüfen, ob alles da und einsatzbereit ist.

Evidenz

Was die Quellen hergeben

Aussagegrenzen

Was die Quellen nicht beantworten

  • Es gibt keine bundesweit einheitliche Kofferliste; Umfang und Ausstattung werden je Einrichtung festgelegt.
  • Die Prüffelder hier ersetzen keine ärztliche Risikobewertung und keine Abstimmung mit Ärztekammer, Berufsgenossenschaft und Fachgesellschaften.
  • DIN 13157 und DIN 13169 regeln den betrieblichen Verbandkasten, nicht die medizinische Notfallausstattung.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Notfallausstattung

Was muss in den Notfallkoffer einer Arztpraxis?

Es gibt keine Liste, die für jede Praxis gleich ist. Die Ausstattung soll zum Leistungsspektrum und zu den Patienten passen, vollständig und funktionsfähig sein – und das Team muss sie beherrschen. Typische Prüffelder: Alarmierung, Atemweg und Beatmung, Kreislauf, Diagnostik, AED, Medikamente, Schutzmaterial und Dokumentation.

Ist ein Notfallkoffer in der Arztpraxis Pflicht?

Praxen müssen ihr Notfallmanagement im Rahmen der geltenden fachlichen, berufsrechtlichen, arbeitsrechtlichen und qualitätsbezogenen Anforderungen organisieren. Eine bundesweit einheitliche Kofferliste ergibt sich daraus nicht. Umfang und Ausstattung sollten risikobasiert festgelegt und mit den zuständigen Stellen bzw. aktuellen Vorgaben abgeglichen werden.

Welche DIN-Norm gilt für den Verbandkasten in der Praxis?

DIN 13157 und DIN 13169 beschreiben betriebliche Verbandkästen. Welche Norm und Anzahl im Betrieb gilt, richtet sich nach den Arbeitsschutzvorgaben. Ein Verbandkasten ersetzt nicht die medizinische Notfallausstattung einer Praxis.

Was unterscheidet einen Zahnarzt-Notfallkoffer von dem einer Arztpraxis?

Die Logik ist dieselbe, die Schwerpunkte unterscheiden sich. In Zahnarztpraxen stehen zum Beispiel Synkope, Hyperventilation, allergische Reaktionen, Bronchospasmus und kardiale Ereignisse im Vordergrund. Entscheidend ist, dass die Ausstattung zu den tatsächlich möglichen Notfällen und Eingriffen passt.

Wie oft muss der Notfallkoffer geprüft werden?

In festen Abständen und nach jeder Nutzung: Vollständigkeit, Verfallsdaten und Funktion (besonders AED-Akku und Elektroden). Die Prüfung wird dokumentiert. Eine feste Routine verhindert, dass im Ernstfall etwas fehlt.

Quellen

  1. [1]
    Gemeinsamer Bundesausschuss: Qualitätsmanagement-Richtlinie

    Nennt Notfallmanagement als Anwendungsbereich; die konkrete Umsetzung bleibt Sache der Einrichtung.

  2. [2]
    Kassenärztliche Bundesvereinigung: Qualitätsmanagement und Notfallmanagement

    Empfiehlt eine dem Leistungsspektrum angemessene, vollständige und funktionsfähige Ausstattung, einen Notfallplan und möglichst jährliche Übungen.

  3. [3]
    KBV PraxisWissen: Qualitätsmanagement in der Praxis

    Praktische Hinweise zu Zuständigkeiten, Checklisten, Vollständigkeit und regelmäßiger Schulung.

  4. [4]
    European Resuscitation Council: Guidelines 2025

    Fachliche Grundlage für Reanimationsabläufe; keine deutsche Packliste für jede Praxisform.

Dieser Beitrag dient der fachlichen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, rechtliche oder berufsrechtliche Beratung.

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