Wissen · Praxisausstattung

Notfallausstattung Arztpraxis: risikobasiert planen

Was wirklich in den Notfallkoffer gehört – jenseits der reinen Norm, ausgerichtet auf echte Praxisnotfälle.

Eine angemessene Notfallausstattung richtet sich nach Fachgebiet, Patientenkollektiv, angebotenen Leistungen und den Kompetenzen des Teams. Dieser Leitfaden zeigt deshalb keine universelle Medikamentenliste, sondern belastbare Prüffelder für Auswahl, Kontrolle und Training.

Redaktion HARVION · Stand: 15. Juli 2026

Notfallkoffer · Module
01Atemweg
02Kreislauf
03Medikamente
04Diagnostik
05AED
06Verbrauch
Norm-Basis
DIN 13157 · DIN 13169
Erste-Hilfe-Grundausstattung – ärztliche Versorgung geht darüber hinaus.
01

Der Bedarf ist praxisbezogen.

Leistungsspektrum, Patientenkollektiv, räumliche Bedingungen und Kompetenzen bestimmen, welche Ausstattung angemessen ist.

02

Vollständig ≠ einsatzbereit.

Ein gefüllter Koffer hilft nur, wenn das Team weiß, wo alles liegt und wie es angewendet wird.

03

Wartung entscheidet.

Abgelaufene Medikamente, nicht einsatzbereite AED-Komponenten oder fehlende Module können die Versorgung verzögern.

Norm & Pflicht

DIN 13157, DIN 13169 – und was darüber hinausgeht

Die DIN-Normen regeln den betrieblichen Verbandkasten – also die Erste-Hilfe-Grundausstattung. Für die ärztliche Notfallversorgung in der Praxis ist das nur der Ausgangspunkt.

DIN 13157 (Verbandkasten C)

Kleiner betrieblicher Verbandkasten – Mindeststandard für Erste-Hilfe-Material in kleineren Einheiten.

DIN 13169 (Verbandkasten E)

Großer betrieblicher Verbandkasten – entspricht dem doppelten Umfang von DIN 13157, sinnvoll für größere Praxen.

Über die Norm hinaus

Verbandkästen decken Erste Hilfe ab – ärztliche Notfallversorgung braucht zusätzlich Medikamente, Atemwegs- und Kreislaufmaterial sowie AED.

Im Detail

Sechs Prüffelder für die Notfallausstattung

01Atemwegsmanagement

Je nach Risikoprofil können unter anderem Beatmungsbeutel und passende Masken, Atemwegshilfen, Absaugmöglichkeit und Sauerstoff vorgesehen werden. Auswahl und Anwendung müssen zu Qualifikation, Behandlungsspektrum und lokalen Vorgaben passen.

Nur Ausstattung vorhalten, deren Anwendung, Kontrolle und Zuständigkeit geregelt sind.

02Kreislauf & Zugang

Je nach Leistungsspektrum und Qualifikation können Venenverweilkanülen, Infusionszubehör und geeignete Lösungen vorgesehen werden. Material ist nur sinnvoll, wenn Indikation, Anwendung, Kontraindikationen und Zuständigkeiten trainiert und geregelt sind.

Ausstattung und Handlungskompetenz müssen zusammenpassen.

03Notfallmedikamente

Die Medikamentenauswahl muss ärztlich festgelegt und an wahrscheinliche Notfallbilder, Fachgebiet, Patientenkollektiv und Kompetenzen angepasst werden. Indikation, Dosierung, Kontraindikationen, Lagerung und Verfallsdaten gehören in eine schriftlich gepflegte Notfallregelung.

Eine Medikamentenliste ist eine individuelle ärztliche Festlegung – keine universelle Einkaufsliste.

04Diagnostik & Monitoring

Blutdruckmessgerät, Stethoskop, Pulsoxymeter, Blutzuckermessgerät und – wo sinnvoll – ein EKG. So lässt sich der Zustand des Patienten objektiv einschätzen und der Verlauf bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überwachen.

Ohne Messwerte bleibt jede Einschätzung im Notfall Vermutung.

05AED / Defibrillator

Ein automatisierter externer Defibrillator (AED) kann bei defibrillierbaren Rhythmen eine frühe Defibrillation ermöglichen. Standort, Einsatzbereitschaft und Einbindung in den Teamablauf müssen geregelt sein.

Ein AED rettet nur Zeit, wenn das Team ihn sicher und schnell einsetzt.

06Verbrauchsmaterial & Schutz

Einmalhandschuhe, Beatmungsfolie/Taschenmaske, Verbandmaterial, Schere, Dokumentationsmaterial und Desinfektion. Kleinteile, die im Stress oft fehlen – und genau dann gebraucht werden.

Schutz und Verbrauchsmaterial gehören in jedes Notfallmodul.

Beispielhafte Prüffelder

Orientierung für die interne Bestandsaufnahme

Alarmierungsweg, Notrufinformationen und Zuständigkeiten
risikobasiert festgelegtes Material für Atemweg und Beatmung
risikobasiert festgelegtes Material für Kreislauf und Zugang
ärztlich festgelegte Notfallmedikation mit Anwendungsregelung
geeignete Diagnostik- und Monitoringausstattung
AED: Standort, Einsatzbereitschaft, Akku und Elektroden
Schutz-, Verband- und Verbrauchsmaterial
Prüfliste für Vollständigkeit, Verfall und Funktionsfähigkeit
Dokumentation, Nachbestückung und verantwortliche Person

Diese Checkliste ist eine praxisnahe Orientierung. Der konkrete Umfang richtet sich nach Praxistyp, Eingriffen und Patientenklientel – und nach den Empfehlungen Ihrer Ärztekammer und Fachgesellschaften.

Einsatzbereit halten

Wartung: Ein voller Koffer ist nicht genug

Schritt 01

Verfallsdaten prüfen

Medikamente und Infusionslösungen regelmäßig kontrollieren und rechtzeitig austauschen – idealerweise mit fester Routine.

Schritt 02

AED-Status sichern

Akkulaufzeit und Elektroden-Haltbarkeit dokumentieren; Selbsttest-Anzeige in den Praxisalltag integrieren.

Schritt 03

Vollständigkeit dokumentieren

Nach jeder Nutzung und in festen Intervallen prüfen, ob alle Module vollständig und einsatzbereit sind.

Über die Ausstattung hinaus

Equipment ist die halbe Miete – der Rest ist Training

Ein vollständiger Notfallkoffer entfaltet seinen Wert erst, wenn das Team Inhalt, Lagerort und Anwendung sicher beherrscht. HARVION trainiert Praxisteams direkt vor Ort – mit realistischen Szenarien, klarer Rollenverteilung und dem eigenen Equipment der Praxis.

Häufige Fragen

Kurz und klar beantwortet.

Was muss in den Notfallkoffer einer Arztpraxis?
Es gibt keine für jede Praxis identische Universalliste. Die Ausstattung sollte dem Leistungsspektrum und Patientenkollektiv angemessen, vollständig, funktionsfähig und für das Team beherrschbar sein. Typische Prüffelder sind Alarmierung, Beatmung, Kreislauf, Diagnostik, AED, Medikamente, Schutzmaterial und Dokumentation.
Ist ein Notfallkoffer in der Arztpraxis Pflicht?
Praxen müssen ihr Notfallmanagement im Rahmen der jeweils geltenden fachlichen, berufsrechtlichen, arbeitsrechtlichen und qualitätsbezogenen Anforderungen organisieren. Eine bundesweit identische Kofferliste ergibt sich daraus nicht. Umfang und Ausstattung sollten risikobasiert festgelegt und mit den zuständigen Stellen beziehungsweise aktuellen Vorgaben abgeglichen werden.
Welche DIN-Norm gilt für den Verbandkasten in der Praxis?
DIN 13157 und DIN 13169 beschreiben Inhalte betrieblicher Verbandkästen. Welche Norm und Stückzahl im konkreten Betrieb relevant ist, richtet sich nach den geltenden Arbeitsschutzvorgaben. Ein Verbandkasten ersetzt nicht automatisch die risikobasiert festgelegte medizinische Notfallausstattung einer Praxis.
Was unterscheidet einen Zahnarzt-Notfallkoffer von dem einer Arztpraxis?
Die Grundlogik ist identisch, die Schwerpunkte unterscheiden sich. In Zahnarztpraxen stehen Notfälle wie Synkope, Hyperventilation, allergische Reaktionen, Bronchospasmus und kardiale Ereignisse im Vordergrund. Entscheidend ist, dass die Ausstattung zu den tatsächlich möglichen Notfällen und Eingriffen der Praxis passt.
Wie oft muss der Notfallkoffer geprüft werden?
Der Koffer sollte in festen Intervallen sowie nach jeder Nutzung auf Vollständigkeit, Verfallsdaten und Funktionsfähigkeit (insbesondere AED-Akku und Elektroden) geprüft und die Prüfung dokumentiert werden. Eine feste Routine verhindert, dass im Ernstfall etwas fehlt.

Quellen und praktische Einordnung

Macht Ihr Team den Notfallkoffer im Ernstfall sicher auf?

HARVION trainiert Arzt- und Zahnarztpraxen direkt vor Ort: Inhalt kennen, Abläufe sichern, im Notfall strukturiert handeln.

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