Wissen · Praxisausstattung

Notfallkoffer Arztpraxis: Inhalt, Pflicht & Checkliste

Was wirklich in den Notfallkoffer gehört – jenseits der reinen Norm, ausgerichtet auf echte Praxisnotfälle.

Verbandkästen nach DIN 13157 und DIN 13169 decken die Erste-Hilfe-Grundausstattung ab. Eine Arzt- oder Zahnarztpraxis muss im Notfall jedoch mehr leisten: Atemwegssicherung, Kreislauf, Notfallmedikamente und Defibrillation. Dieser Leitfaden zeigt den vollständigen Inhalt – und worauf es bei Auswahl und Wartung ankommt.

Notfallkoffer · Module
01Atemweg
02Kreislauf
03Medikamente
04Diagnostik
05AED
06Verbrauch
Norm-Basis
DIN 13157 · DIN 13169
Erste-Hilfe-Grundausstattung – ärztliche Versorgung geht darüber hinaus.
01

Pflicht ist nur das Minimum.

Normen wie DIN 13157/13169 definieren eine Grundausstattung – ein echter Praxisnotfall braucht mehr.

02

Vollständig ≠ einsatzbereit.

Ein gefüllter Koffer hilft nur, wenn das Team weiß, wo alles liegt und wie es angewendet wird.

03

Wartung entscheidet.

Abgelaufene Medikamente, leere AED-Akkus oder fehlende Module kosten im Ernstfall Sekunden.

Norm & Pflicht

DIN 13157, DIN 13169 – und was darüber hinausgeht

Die DIN-Normen regeln den betrieblichen Verbandkasten – also die Erste-Hilfe-Grundausstattung. Für die ärztliche Notfallversorgung in der Praxis ist das nur der Ausgangspunkt.

DIN 13157 (Verbandkasten C)

Kleiner betrieblicher Verbandkasten – Mindeststandard für Erste-Hilfe-Material in kleineren Einheiten.

DIN 13169 (Verbandkasten E)

Großer betrieblicher Verbandkasten – entspricht dem doppelten Umfang von DIN 13157, sinnvoll für größere Praxen.

Über die Norm hinaus

Verbandkästen decken Erste Hilfe ab – ärztliche Notfallversorgung braucht zusätzlich Medikamente, Atemwegs- und Kreislaufmaterial sowie AED.

Im Detail

Die 6 Module eines Notfallkoffers

01Atemwegsmanagement

Beatmungsbeutel mit Reservoir und Masken in mehreren Größen, Guedel- bzw. Wendl-Tuben, ggf. Larynxmaske/Larynxtubus, Absaugmöglichkeit und Sauerstoff. Ohne sichere Atemwege und Beatmung läuft keine Reanimation und keine Versorgung bei Atemnot.

Sauerstoff, Beatmungsbeutel und Masken müssen immer griffbereit sein.

02Kreislauf & Zugang

Venenverweilkanülen in verschiedenen Größen, Infusionsbestecke, kristalloide Infusionslösung (z. B. Vollelektrolytlösung), Stauschlauch, Pflaster und Tupfer. Bei Kreislaufproblemen, Anaphylaxie oder Volumenmangel ist ein schneller Zugang entscheidend.

Ein funktionierender i.v.-Zugang ist die Basis vieler Notfallmaßnahmen.

03Notfallmedikamente

Adrenalin (Anaphylaxie, Reanimation), Antihistaminikum und Kortikosteroid (allergische Reaktion), Salbutamol-Spray (Bronchospasmus/Asthma), Glukose (Hypoglykämie), Nitrat (Angina pectoris) und Acetylsalicylsäure (akutes Koronarsyndrom). Auswahl und Dosierung gehören in eine schriftliche, regelmäßig geprüfte Notfallliste.

Adrenalin ist das wichtigste Notfallmedikament – es muss sofort auffindbar sein.

04Diagnostik & Monitoring

Blutdruckmessgerät, Stethoskop, Pulsoxymeter, Blutzuckermessgerät und – wo sinnvoll – ein EKG. So lässt sich der Zustand des Patienten objektiv einschätzen und der Verlauf bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überwachen.

Ohne Messwerte bleibt jede Einschätzung im Notfall Vermutung.

05AED / Defibrillator

Ein automatisierter externer Defibrillator (AED) ist bei defibrillierbaren Rhythmen lebensentscheidend. Er muss bekannt, schnell erreichbar, einsatzbereit (Akku, Elektroden) und fest in den Teamablauf eingebunden sein.

Ein AED rettet nur Zeit, wenn das Team ihn sicher und schnell einsetzt.

06Verbrauchsmaterial & Schutz

Einmalhandschuhe, Beatmungsfolie/Taschenmaske, Verbandmaterial, Schere, Dokumentationsmaterial und Desinfektion. Kleinteile, die im Stress oft fehlen – und genau dann gebraucht werden.

Schutz und Verbrauchsmaterial gehören in jedes Notfallmodul.

Checkliste zum Abhaken

Notfallkoffer-Checkliste Arztpraxis

Beatmungsbeutel mit Masken (mehrere Größen)
Sauerstoff + Guedel-/Wendl-Tuben
Absaugmöglichkeit
Venenzugänge + Infusionslösung
Adrenalin, Antihistaminikum, Kortikosteroid
Salbutamol-Spray, Glukose, Nitrat, ASS
Blutdruck, Pulsoxymeter, Blutzucker
AED mit geprüftem Akku & Elektroden
Handschuhe, Beatmungsfolie, Verbandmaterial
schriftliche Notfall- & Medikamentenliste

Diese Checkliste ist eine praxisnahe Orientierung. Der konkrete Umfang richtet sich nach Praxistyp, Eingriffen und Patientenklientel – und nach den Empfehlungen Ihrer Ärztekammer und Fachgesellschaften.

Einsatzbereit halten

Wartung: Ein voller Koffer ist nicht genug

Schritt 01

Verfallsdaten prüfen

Medikamente und Infusionslösungen regelmäßig kontrollieren und rechtzeitig austauschen – idealerweise mit fester Routine.

Schritt 02

AED-Status sichern

Akkulaufzeit und Elektroden-Haltbarkeit dokumentieren; Selbsttest-Anzeige in den Praxisalltag integrieren.

Schritt 03

Vollständigkeit dokumentieren

Nach jeder Nutzung und in festen Intervallen prüfen, ob alle Module vollständig und einsatzbereit sind.

Über die Ausstattung hinaus

Equipment ist die halbe Miete – der Rest ist Training

Ein vollständiger Notfallkoffer entfaltet seinen Wert erst, wenn das Team Inhalt, Lagerort und Anwendung sicher beherrscht. HARVION trainiert Praxisteams direkt vor Ort – mit realistischen Szenarien, klarer Rollenverteilung und dem eigenen Equipment der Praxis.

Häufige Fragen

Kurz und klar beantwortet.

Was muss in den Notfallkoffer einer Arztpraxis?
Eine ärztliche Notfallausstattung umfasst typischerweise Material für Atemwegsmanagement und Beatmung (Beatmungsbeutel, Masken, Sauerstoff), Kreislauf (venöse Zugänge, Infusionslösung), Notfallmedikamente (u. a. Adrenalin, Antihistaminikum, Kortikosteroid, Salbutamol, Glukose, Nitrat, ASS), Diagnostik (Blutdruck, Pulsoxymeter, Blutzucker) sowie einen AED. Verbandkästen nach DIN 13157/13169 decken nur die Erste-Hilfe-Grundausstattung ab.
Ist ein Notfallkoffer in der Arztpraxis Pflicht?
Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, im Rahmen ihrer Praxis auf Notfälle vorbereitet zu sein – dazu gehört eine geeignete, einsatzbereite Notfallausstattung. Der genaue Umfang richtet sich nach Praxistyp, Eingriffen und Patientenklientel. Die berufsrechtlichen Vorgaben und Empfehlungen der Ärztekammern und Fachgesellschaften sind hier maßgeblich.
Welche DIN-Norm gilt für den Verbandkasten in der Praxis?
Für betriebliche Verbandkästen gelten DIN 13157 (kleiner Kasten, Typ C) und DIN 13169 (großer Kasten, Typ E). Sie definieren die Erste-Hilfe-Grundausstattung. Die ärztliche Notfallausstattung geht darüber hinaus und enthält zusätzlich Medikamente sowie Atemwegs-, Kreislauf- und Reanimationsequipment.
Was unterscheidet einen Zahnarzt-Notfallkoffer von dem einer Arztpraxis?
Die Grundlogik ist identisch, die Schwerpunkte unterscheiden sich. In Zahnarztpraxen stehen Notfälle wie Synkope, Hyperventilation, allergische Reaktionen, Bronchospasmus und kardiale Ereignisse im Vordergrund. Entscheidend ist, dass die Ausstattung zu den tatsächlich möglichen Notfällen und Eingriffen der Praxis passt.
Wie oft muss der Notfallkoffer geprüft werden?
Der Koffer sollte in festen Intervallen sowie nach jeder Nutzung auf Vollständigkeit, Verfallsdaten und Funktionsfähigkeit (insbesondere AED-Akku und Elektroden) geprüft und die Prüfung dokumentiert werden. Eine feste Routine verhindert, dass im Ernstfall etwas fehlt.

Macht Ihr Team den Notfallkoffer im Ernstfall sicher auf?

HARVION trainiert Arzt- und Zahnarztpraxen direkt vor Ort: Inhalt kennen, Abläufe sichern, im Notfall strukturiert handeln.

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