Wissen · Reanimation
Die 7 häufigsten Fehler bei der Reanimation
Bei einem Kreislaufstillstand entscheidet nicht nur, was man weiß – sondern wie schnell und wie sauber das Team es umsetzt. Hier sind die typischen Fehler in Arzt- und Zahnarztpraxen, jeweils mit Folge und besserer Lösung.
Für Ärztinnen, Zahnärzte, MFA und ZFA · Orientierung an den ERC Guidelines 2025 · Stand: 1. Oktober 2026

Das musst du wissen
- Nicht ansprechbar und keine normale Atmung: sofort Notruf, AED, Herzdruckmassage. Schnappatmung ist keine normale Atmung.
- Eine Person drückt sofort. Alle anderen arbeiten parallel – nicht nacheinander.
- Orientierung beim Erwachsenen: 5–6 cm tief, 100–120 pro Minute, Brustkorb ganz entlasten.
- Jede Pause senkt die Durchblutung. Pausen ansagen und kurz halten.
- Rollen und AED-Ablauf müssen vor dem Notfall geklärt und geübt sein.
Fehler → Folge → besser
Sieben Fehler, die in Praxen immer wieder vorkommen
Jeder dieser Fehler kostet Zeit oder Durchblutung. Und jeder lässt sich mit klaren Abläufen und Übung verringern.
Fehler
Der Kreislaufstillstand wird zu spät erkannt.
Folge
Bei Bewusstlosigkeit mit unklarer Atmung oder Schnappatmung wird abgewartet oder diskutiert. Genau hier gehen die ersten Sekunden verloren.
Besser
Nicht ansprechbar und atmet nicht normal? Dann sofort: Notruf, AED holen lassen, Herzdruckmassage beginnen.
Fehler
Die Herzdruckmassage beginnt zu spät.
Folge
Das Team organisiert, sucht Material oder wartet – und niemand drückt.
Besser
Eine Person beginnt sofort mit der Herzdruckmassage. Alle anderen holen parallel AED, setzen den Notruf ab und bringen den Notfallkoffer.
Fehler
Es wird zu flach gedrückt.
Folge
Aus Vorsicht wird nicht tief genug gedrückt. Dann fließt zu wenig Blut zu Gehirn und Herz.
Besser
Beim Erwachsenen als Orientierung: 5–6 cm tief, 100–120-mal pro Minute, Brustkorb nach jedem Druck ganz entlasten.
Fehler
Die Herzdruckmassage wird zu oft unterbrochen.
Folge
In jeder Pause sinkt die Durchblutung. Typische Pausen: Umlagern, Beatmen, Elektroden kleben, Puls tasten, Helferwechsel.
Besser
So durchgehend wie möglich drücken. Pausen vorher ansagen und kurz halten.
Fehler
Der AED kommt zu spät.
Folge
Das Gerät ist da, wird aber spät geholt oder unsicher bedient. Bei einem schockbaren Rhythmus zählt aber gerade die frühe Defibrillation.
Besser
Jeder im Team weiß, wo der AED hängt, wer ihn holt und wie er angelegt wird. Das wird geübt, nicht nur besprochen.
Fehler
Die Beatmung dauert zu lange.
Folge
Lange Versuche, eine schlecht sitzende Maske oder zu kräftiges Beatmen verlängern die Pause in der Herzdruckmassage.
Besser
Kurz und kontrolliert beatmen. Man sieht, dass sich der Brustkorb hebt – dann sofort weiterdrücken.
Fehler
Niemand hat eine klare Rolle.
Folge
Alle reden, niemand führt, niemand holt den AED, niemand öffnet dem Rettungsdienst die Tür.
Besser
Rollen vorher festlegen: Leitung, Drücken, Beatmen, AED, Notruf, Tür und Einweisung des Rettungsdienstes.
Warum das passiert
Im Notfall macht das Team, was es geübt hat
Ein Praxisnotfall sieht selten aus wie im Lehrbuch. Der Raum ist eng. Der Patient sitzt vielleicht im Behandlungsstuhl. Andere Patienten warten, der Rettungsdienst ist noch unterwegs.
Unter diesem Druck greift das Team auf das zurück, was es vorher konkret geübt hat. Wissen aus einem Vortrag wird nicht automatisch zu sicherem Handeln. Deshalb lohnt sich Training dort, wo der Notfall passiert: in der eigenen Praxis, mit eigenem Material und echten Laufwegen.
Zwei Techniken helfen dabei besonders: Eine Anweisung geht an eine Person mit Namen. Diese wiederholt sie laut und meldet, wenn sie erledigt ist. und eine klar benannte Leitung. Beides zählt zu den Fähigkeiten neben der Medizin: Führung, Aufgabenverteilung, Kommunikation und Überblick behalten (Situationsbewusstsein)..
Szenario
Behandlungszimmer
Enger Raum, Patient im Stuhl, kein OP-Tisch: Lagerung und Zugang müssen stehen, bevor die Kompressionen beginnen.
Szenario
AED im Ablauf
Wo liegt das Gerät, wer holt es, wer klebt die Elektroden – ohne die Herzdruckmassage unnötig zu unterbrechen?
Szenario
Kommunikation
Kurze Ansagen, eine führende Person, Anweisungen werden wiederholt und bestätigt.
Automatisierter externer Defibrillator. Das Gerät analysiert den Herzrhythmus und gibt bei einem schockbaren Rhythmus einen Stromstoß frei.
Einzelne, schnappende Atemzüge bei einem Kreislaufstillstand. Sie sehen nach Atmung aus, sind aber keine normale Atmung.
Eine Herzrhythmusstörung, bei der ein Stromstoß den geordneten Herzschlag wiederherstellen kann (z. B. Kammerflimmern).
Nach jedem Druck den Brustkorb ganz zurückkommen lassen. Erst dann füllt sich das Herz wieder mit Blut.
Evidenz
Worauf sich dieser Beitrag stützt – und worauf nicht
Aussagegrenzen
Was die Quellen nicht beantworten
- Die Zahlen zu Tiefe und Frequenz sind Orientierungswerte für Erwachsene aus der Leitlinie – keine Garantie für ein bestimmtes Ergebnis.
- Die Trainingsstudien stammen überwiegend aus Simulationen mit Klinik- und ALS-Teams. Auf kleine ambulante Praxisteams sind sie nicht ohne Weiteres übertragbar.
- Ob kürzere Zeiten in der Simulation zu besseren Patientenergebnissen führen, ist nicht belegt.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zu Reanimation und AED
Was sind die häufigsten Fehler bei einer Reanimation?
Typisch sind: der Kreislaufstillstand wird spät erkannt, die Herzdruckmassage beginnt spät, es wird zu flach gedrückt, es gibt zu viele Pausen, der AED kommt spät, die Beatmung dauert zu lange und die Rollen im Team sind unklar.
Wie tief und wie schnell sollte die Herzdruckmassage beim Erwachsenen sein?
Als Orientierung: 5–6 cm tief und 100–120 Kompressionen pro Minute. Nach jedem Druck den Brustkorb vollständig entlasten und Pausen so kurz wie möglich halten.
Warum scheitert Reanimation in Praxen häufig?
Praxisnotfälle passieren selten unter idealen Bedingungen: enge Räume, Patient im Behandlungsstuhl, hoher Druck und wenig echte Übung. Ohne feste Rollen und realistisches Training gehen Sekunden verloren.
Wie hilft das HARVION-Training, diese Fehler zu vermeiden?
HARVION trainiert vor Ort in der Praxis: mit dem eigenen Equipment, Rückmeldung zur Kompressionsqualität, festen Rollen und Szenarien aus dem Behandlungsalltag. Die Inhalte orientieren sich an den ERC Guidelines 2025.
Quellen
- [1]European Resuscitation Council: Guidelines 2025
Aktuelle europäische Empfehlungen zu Basic und Advanced Life Support, Ausbildung und Versorgungssystemen.
- [2]Deutsches Reanimationsregister: Außerklinischer Jahresbericht 2024
Beobachtungsdaten zur Reanimationsversorgung in Deutschland; keine Wirksamkeitsstudie für einzelne Trainingsanbieter.
- [3]Dewolf P et al. The Effect of Teaching Nontechnical Skills in Advanced Life Support: A Systematic Review. AEM Educ Train 2021 · PMID 34041431
40 Studien, 3.041 Teilnehmende (Studierende bis erfahrenes Personal); schnellere kritische erste Schritte in der Simulation; keine Metaanalyse wegen methodischer Unterschiede.
- [4]Duff JP et al. Debriefing Methods for Simulation in Healthcare: A Systematic Review. Simul Healthc 2024 · PMID 38240623
70 Studien; keine Debriefing-Methode war einer anderen nachweislich überlegen, die empirische Basis ist begrenzt.
Dieser Beitrag dient der fachlichen Information. Er ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, keine lokal geltenden Standards und keine ärztliche Entscheidung im Einzelfall.